Bildungscampus Hartberg in Schweden

Erasmus+-Reise mit Ziel Göteborg

Wie das Bildungswesen im sozialpolitischen Vorzeigeland Schweden funktioniert, davon konnte sich Direktorin Helga Schöller mit einer Delegation des Bildungscampus Hartberg überzeugen. Im Zuge der zweiten Erasmus+-Mobilität besuchten die Direktor/innen von Volksschule, NMS Gerlitz, BAfEP, Gymnasium, HAK und HLW sowie Vertreter/innen der Gemeindeverwaltung die FRIDA-Schulen in Göteborg und Vänersborg.

Diese sind Privatschulen mit vorbildlichem pädagogischem Konzept, jedoch staatlich finanziert und kostenfrei für die Schüler/innen. Als Gastgeber/in fungierten Karin Helmerson und Anders Berghall.

Das Schulsystem in Schweden

Das schwedische Schulsystem gewährleistet einen kostenfreien Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Geburtstag, eine verpflichtende Vorschulklasse für alle Sechsjährigen, danach Gesamtschule bis 16 Jahren. Wer Richtung Studium gehen möchte, absolviert danach noch drei Schuljahre im Gymnasium – jedoch ohne abschließende Matura. Man vertraut darauf, dass alle, die das Gymnasium positiv abschließen, die Studierfähigkeit besitzen.

Eine Lehre ist ab 16 möglich. Die meisten besuchen jedoch davor eine 3-jährige berufsvorbereitende Schule, die allerdings im Gegensatz zu unseren berufsbildenden Schulen keinerlei Berufsberechtigungen gewährleistet. Landesweite, standardisierte Testungen in der Landessprache, Englisch und Mathematik erfolgen im 3., 6. und 9. Schuljahr.

Chancengleichheit großgeschrieben

In Schweden gilt im Sinne der Chancengleichheit absolute Schulgeldfreiheit. Anders als bei uns bezahlt die Schule aus ihrem Globalbudget die Kosten für Schikurse und Exkursionen für alle – wenn sich das nicht ausgeht, fährt man eben nicht. Und die Ganztagsschule inklusive Verpflegung ist flächendeckend umgesetzt, sodass alle Kinder bestmöglich gefördert werden können und ein Nachhilfemarkt praktisch nicht existiert.

Dichtes Programm

Die Hartberger Delegation nützte den Anreise-Montag bereits für eine Stadtrundfahrt in Göteborg. Danach ging es nach Vänersborg am Vänersee, dem größten See Schwedens, wo am Dienstag und Mittwoch intensiv Einblick in die Systemtheorie, das pädagogisch-didaktische Konzept und die konkrete Ausgestaltung der Frida-Schulen für die unterschiedlichen Altersstufen genommen wurde. Am Donnerstag ging es zurück nach Göteborg.

Zunächst stand der Besuch der dort neu erbauten Frida-Schule auf dem Programm, die Kindern von 1 – 16 Jahren offen steht. Wobei: „Offenstehen“ ist relativ; die 5 Frida-Schulen haben eine Warteliste von ca. 3.000 Kindern! Der Abend galt noch der Erkundung dieser freundlichen, geruhsamen Stadt, am Freitag ging es zurück nach Hartberg.

Im Zuge der Hartberger Bildungsmesse Anfang Oktober sollen die Erkenntnisse aus den beiden Erasmus+-Mobilitäten (Kent, GB, und Vänersborg, SWE) der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ziel des Bildungscampus Hartberg ist ja, dass die hiesigen Bildungseinrichtungen und die Stadtgemeinde gut zusammenarbeiten, die Übergänge und gemeinsamen Bedürfnisse bestmöglich koordinieren und so die Schulstadt Hartberg noch attraktiver machen.

Persönliches Fazit

Direktorin Schöller zieht ein sehr positives Resumée: „Sehr beeindruckend fand ich die Atmosphäre des Zutrauens, die Förderung der Selbstständigkeit der Kinder von klein auf. Die individuellen Büros für je fünf Schüler/innen in der Oberstufe und die ausgedehnten Phasen für selbstgesteuertes Lernen halte ich für eine gute Vorbereitung aufs Berufsleben. Dass bei uns Berufsausbildung und Matura Hand in Hand gehen, ist dagegen eine große Stärke in unserem Bildungssystem.“

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